„Die Welt der Dinge“

Ausstellung von Objektkünstler Willi Kopf in der Bludenzer Galerie allerArt

Die kommende Ausstellung in der Bludenzer Galerie allerArt trägt den Titel „Die Welt der Dinge“ und ist dem 1949 in Rankweil geborenen Objektkünstler Willi Kopf gewidmet. Der in Wien lebende Kunstschaffende hat an der Universität für angewandte Kunst in Wien über einen langen Zeitraum als Lehrender unterrichtet. In Bludenz werden neuere Werkbeispiele aus seiner Serie „Laboratory Works“, an der er seit 1994 arbeitet, gezeigt. Anhand dieser setzt er sich auf die Spur der industriellen Massenproduktion und deren Auswirkung auf die Gesellschaft.

Willi Kopf ist einer der letzten Schüler des legendären Fritz Wotruba an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Von der klassischen Form der Bildhauerei kommend, entfernte er sich zunehmend und setzte sich bereits in den 1970er Jahren intensiv mit der Minimal Art auseinander, woraus er in der Folge seine für ihn  charakteristische Formensprache entwickelt. Es entstehen die ersten autonomen Skulpturen aus dem industriell präfabrizierten Materia der Spannplatte, die sukzessive kennzeichnend für die konstruktive plastische Arbeit Kopfs wurden. Mit dieser Werksgruppe wurde Kopf 1986 schlagartig international bekannt, als ihn der legendäre Kurator Harald Szeemann damals neben „Stars“ wie Donald Judd, Sol Lewitt, Richard Serra u.a. zur grossen Festwochenausstellung „De Sculptura“ in den Wiener Messepalast zur Teilnahme eingeladen hatte. Die durchdachten „Kisten“ aus dem unscheinbaren Trägermaterial der Homogenplatte schuf er in höchster Präzision und entwickelte damit, ganz im Sinne des erweiterten Skulpturenbegriffs, eine neue Formensprache.


Gegen Mitte der 1990er Jahre erweiterte er sein Arbeitskonzept über eine kritische Beobachtung an der Produkpalette der heutigen industriellen Massenproduktion wie etwa an Werkzeugen, Bauelementen oder Strukturen am alltäglichen Warensortiment.. Aus vielen Einzelteilen aus der „Welt der Dinge“ fertigt er neue „Skulpturen“, die ihre Summe neue Fragen zur Skulptur heute hervorbringen.

Für diese „Laboratory Works“ werden alltägliche Gegenstände des menschlichen Handlungsbedarfs entfunktionalisiert und in ihrem kulturellen Wirkungsgrad in Frage gestellt. Die solcherart entstandenen Wand- oder Boden-Skulpturen erinnern an Apparaturen, Roboter oder Science-Fiction-Requisiten. Entsprechend tragen sie denn auch Namen wie „Rocket Man“, „Interconnect“, „Object of Unknown Purpose“ oder „Steelcloud“ auf sich. Aus den vulgären Ding-Materialien lässt der Künstler im Experiment gleichsam „eine performative Verkettung, ein modellhaftes, skulpturales Konstrukt“ erwachsen, wie er selber betont. Kopf: „Die herbeigeführte Negation der Eigenschaften des Warensortiments lässt nach neuen Möglichkeiten forschen. Der stille Wunsch, den sichergestellten Spielregeln der Einkaufskulturen zu widersprechen, führt mich unvermeidbar zu einer neuen, politisch motivierten Arbeitsweise.“

In den Objekten der Reihe „Laboratory Works“ steckt dementsprechend eine gehörige Portion Gesellschaftskritik. Kopf verweist darauf, in welchem Ausmaß der heutige Konsummensch von den Grosskonzernen vereinnahmt wird und wie ohnmächtig er der industriellen Massenproduktion gegenübersteht. In seinen Arbeiten deckt er die hinterhältigen Strukturen und diffizilen Präsentationskonzepte der Baumärkte und Warenhäuser auf, die so ausgetüfelt sind, dass der Besucher zur permanenten Konsummation angehalten wird.

Kopf präsentiert viele dieser „Laboratory Works“ unter Glaskästen. Denn die Vitrine habe immer die Bedeutung des Weggerückten, der „Quarantäne“ (Kopf). Und die dadurch erzeugte Distanz ist es letztlich, die den Betrachter zur Reflektion führt.
 

Willi Kopf: „Die Welt der Dinge“
Galerie Allerart, Bludenz
18.9. bis 28.10.
Vernissage: 17.9., 20.00 Uhr
Mi-So, Fe 15-18
www.allerart-bludenz.at


Weitere Infos:
Andrea Bickel
Künstlerisches Betriebsbüro
allerArt Bludenz
Raiffeisenplatz 1
A-6700 Bludenz
info@allerart-bludenz.at
Tel. 0664 500 55 36

Hinweis

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