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Orchester - Chronik

1882 bis 1919

Laut Angaben in der Sekundärliteratur wurde die „Bludenzer Orchestergesellschaft“ 1882 von Hermann Gassner gegründet. Hermann Gassner spielte selber Geige, wie ein im Zentralarchiv Getzner, Mutter & Cie erhaltenes Bild zeigt. Gassner war ein unglaublich engagierter Lokalpolitiker und Musikliebhaber. Er blieb bis 1890 Vorstand der Orchestergesellschaft und verstarb während einer Rede beim Landessängerfest im November 1903 in Bregenz.

Eine erhaltene Liste auf einem Schreiben des Vorstandes Hermann Gassner von 1890 führt – soweit leserlich – folgende Namen an: Georg Croce[?], Fritz, Johann Gamohn, Anton Hutter, Anton Jehly, J. A. Jehly, Josef Koller, Eduard Lutz, Margreitter, Johann Meier, Reis, Jacob Rief, Josef Sobotka [Dirigent], Hans Spescha, Fidel Tagwerker.

Vorbild für die Orchestergesellschaft waren die Militärmusiken, die damals auch mit Streichern besetzt waren und zum gesellschaftlichen Leben einer Garnisonsstadt beitrugen. Gespielt wurden in erster Linie Märsche, Walzer, Polkas, Potpourris, vielleicht auch einmal der eine oder andere Satz aus einer klassischen Sinfonie, der Grundcharakter war aber immer ein unterhaltsamer.

Aus schriftlichen Äußerungen Hermann Gassners ist zu entnehmen, dass er selbst der erste Dirigent der Orchestergesellschaft war, doch dieses Amt dann an den Chorregenten Adolf Schwenk übergeben haben muss. Nach Schwenks Abgang 1886 übte für kurze Zeit Heinrich Peter Vergeiner das Amt aus, mit dem es aber zu einigen Streitigkeiten kam, die in Briefabschriften dokumentiert sind.

Von 1887 bis Ende 1888 der übernahm der Rheinberger-Schüler Josef Renner, der ein sehr begabter Musiker und Komponist war, über Vermittlung von Rheinberger selbst die Leitung, bevor Josef Sobotka ab Anfang 1889 die Harmoniemusik und Orchestergesellschaft leitete.
In diese Zeit fiel auch der Wechsel in der Obmannschaft von Hermann Gassner auf seinen jüngeren Bruder Guido Gassner.
Von Sobotka sind einige unglaublich sauber geschriebene Partituren erhalten. Auf Josef Sobotka, der bis 1910 in Bludenz wirkte, folgte Wenzel Korb, der ebenfalls neben der Harmoniemusik die Orchestergesellschaft leitete, 1919 aber verstarb. Aus dieser Zeit stammt das derzeit älteste, bekannte Foto der Orchestergesellschaft.

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1919 - ca. 1934

Nach dem Tod von Wenzel Korb betrieben 1919 Harmoniemusik (Vorstand: Anton Sandholzer), Orchestergesellschaft (Vorstand: Guido Gassner) und Bludenzer Liederkranz (Vorstand: Lorenz Hechenberger) die Gründung der Städtischen Musikschule. Heinrich Beutel aus Bregenz (seit 1912 Lehrer für Geige, Klavier und Blasinstrumente) bewarb sich um die Stelle, die auch mit der Leitung von Harmoniemusik und Orchestergesellschaft verbunden war.
Im gemeinsamen Ansuchen von Orchestergesellschaft, Harmoniemusik und Liederkranz an den Stadtmagistrat um Einrichtung der Städtischen Musikschule vom 21. August 1919 liest man u.a.: „Es ist daher beispielsweise ganz begreiflich, dass durch den in der hiesigen Volksschule planlos und ohne Aufsicht erteilten Violinunterricht seit vielen Jahren nicht ein einziger Geiger herangebildet wurde, der bei der Orchestergesellschaft auch nur als zweiter Geiger verwendbar gewesen wäre.“
Anfang 1920 nahm die Musikschule ihre Arbeit auf.
Bereits im Sommer 1921 gab es nach einem heute nicht mehr genau zu klärenden Vorfall in einer Mädchenklasse eine Untersuchung des Bezirksschulrates und daraufhin eine Kündigung Beutels durch die Stadt. Der Musikausschuss stand aber weiterhin hinter Beutel.
Aber bereits 1922 schlief die Orchestergesellschaft langsam ein, vermutlich wegen politischer und persönlicher Differenzen.
Noch am 16. März 1922 schrieb Bgm. Längle in einem Ansuchen um Subvention für die Musikschule an das Land Vorarlberg: „An der Schule lehrt Musikdirektor Heinrich Beutel[,] welcher eine sehr gut qualifizierte Musiklehrkraft ist und das musikalische Leben in der Stadt schon auf erfreuliche Höhe gebracht hat.“
Am 4. September 1923 brachte im Rahmen einer Sitzung des Musikausschusses der Ausschussobmann Ignaz Metzler eine Erklärung Beutels zur Kenntnis, „nach welcher Hr. Musikdirektor Beutel für fernerhin auf die Orchester-Subvention [seitens der Stadt Bludenz] verzichte, daß er wegen Zeitmangel nicht mehr in der Lage sei, die Leitung der Orchester-Gesellschaft weiterzuführen u. daß die Wiederaufnahme der musikalischen Tätigkeit derselben ohnehin für die nächsten Jahre keine Aussicht habe.“ Daraufhin kam es zur Eskalation. Im Protokoll wurde festgehalten: „Das Vorgehen des Hr. Beutel, ohne vorherige Fühlungnahme u. Aussprache mit dem Musikschul-Ausschuß, seine ihm übertragene Leitung der Orch. Gesellschaft einzustellen, obwohl zwar keine vertragliche gegenseitige Kündigungsfrist besteht, wird als nicht ganz korrekt betrachtet u. dies umsomehr, daß trotz vorübergehender längerer Einstellung der musik. Tätigkeit der Orch. Ges. Herr Beutel ungeschmälert u. regelmäßig die vereinbarten Bezüge (Honorare) ausbezahlt erhielt […].“ Und weiter: „Wenn er, dessen ungeachtet, zu selber Zeit, als er durch die seitens der Stadt erfolgte Kündigung existenzlos wurde, bei der Harmoniemusik Bludenz u. dem gemeinsamen Musikausschuß trotzdem das weitere ungeschmälerte Vertrauen u. materielle Stütze fand, so rechtfertigte er dieses Entgegenkommen u. Vertrauen in sehr geringem Maße; indem, wie im Weiteren aus Äußerungen von Vertretern der beiden musik. Körperschaften (Orch. Gesellschaft und Harm. Musik Verein) u. der Privatmusik-Schule zu entnehmen ist, die seitherige vereinbarte Tätigkeit des Hr. Beutel als Lehrer u. Leiter eine äußerst wenig zufriedenstellende sei u. dass infolge davon das musikalische Leben in Bludenz gegenwärtig auf einem Tiefstand stehe, wie schon lange nicht mehr.“

Nach Beratungen in den Ausschüssen von Harmoniemusik und Orchestergesellschaft kam es endgültig zum Bruch mit Beutel, worüber aber keine genauen Unterlagen vorliegen.

Mit dem Amtsantritt von Alois Lanzer Anfang Februar 1924 wurde ein neuerlicher Versuch unternommen, die Orchestergesellschaft wieder zu gründen. Rudolf Mayr, Karl Müller und Richard Nuderscher waren damals die Ausschussmitglieder für die Orchestergesellschaft. Für den 22. April 1924 wurde zu einer Versammlung in das Gasthaus „Zum Kreuz“ eingeladen. Über den Verlauf dieser Versammlung ist nichts bekannt. Im Protokoll der Ausschusssitzung vom 17. Dezember 1924 heißt es allerdings unter Pkt. 3: „Nachdem die alte Orchester-Gesellschaft offiziell ihre Auflösung noch nicht bekanntgegeben habe, sei anzunehmen, daß dieselbe noch bestehe, obwohl sie schon während geraumer Zeit ihre aktive Tätigkeit eingestellt habe. […] Bei dieser Gelegenheit wurde neuerdings beschlossen, noch einmal mit aller Kraft den Versuch zu machen, die alte Orchester-Gesellschaft auf vollständig unpolitischer u. neutraler Grundlage wieder in Aktivität zu bringen.“
Aus dem Protokoll der Ausschusssitzung vom 16. Juni 1925 ist zu erfahren, dass das gesamte Inventar der Orchestergesellschaft der Fa. Getzner, Mutter & Cie gehörte (Noten, Notenständer und Instrumente) und zu dieser Zeit in der Brauerei Fohrenburg deponiert war.
Über Tätigkeiten eines Orchesters in Bludenz erfahren wir erst wieder aus einer Erhebung der Landeshauptmannschaft Bregenz vom 14. Juli 1934. In der Beantwortung durch die Stadt Bludenz vom 30. Juli 1934 heißt es:
„[…]
Christliche Volksbühne: Instrumentalorchester, 18 Mitglieder, Ernste Musik u. Volksmusik, keine Tanzmusik
Deutsche Vereinsbühne: Instrumentalorchester, 20 Mitglieder, klassische u. Volksmusik
[…]“
Dazu gibt es keine weiteren Angaben. Im Orchesterarchiv der Städtischen Musikschule finden sich allerdings 32 Werke mit dem Stempel „Orchester der Deutschen Vereinsbühne – Bludenz“ mit Nummerierungen, die bis 199 reichen. Vorwiegend handelt es sich hierbei um Stücke, die in die Kategorie Salonmusik fallen. In Privatbesitz befindet sich ein Bild des Orchesters der Deutschen Vereinsbühne, das vermutlich 1931 aufgenommen wurde.


Kriegsjahre - 1942-1945

Im Herbst 1941 wurde die Musikschule wieder eröffnet und der Komponist und Kapellmeister Josef Prantl aus Schwaz zum neuen Musikdirektor ernannt.
1942 taucht erstmals der Name „Städtisches Orchester“ auf.
Auf einem oftmals verwendeten Veranstaltungsformular waren fix folgende Mitglieder eingetragen (zusätzliche Mitglieder wurden dann extra vermerkt):
Dürr, Fröwies, Hämmerle, Häusle [Gerda], Krall [Hans], Mayer [Resi], Munz [Grete], Oberbauer [Konrad], v. Siegl [Ida], Spagolla F., Spagolla G[ustl], Wiedemann, Worsch.
Gespielt wurde bei zahlreichen Feiern der NSDAP im Deutschen Haus und in der Kreisleitung, sowie immer wieder im Lazarett Gaisbühel. Morgenfeiern, Kreisschiessen des Standschützenverbandes Tirol und Vorarlberg, Feierstunde zum Muttertag, Verleihung von Mutterkreuzen, „Bunter Abend“ der Gebirgsjäger, Überführung von HJ-Mitgliedern in die Partei, Erntedankfest, Heldengedenkfeier, 10 jährige Gründungsfeier der NSDAP Ortsgruppe Bürs, Soldatenweihnachtsfeier, Totenfeiern …

Herausragende Veranstaltungen: 23. Februar 1942 „Mozartfeier“ im Festsaal des Deutschen Hauses, zu der auch ein Programm erhalten ist. Wie auch bei späteren, größeren Veranstaltungen wurde das Orchester mit Mitgliedern des Orchesters des Innsbrucker Landestheaters verstärkt. Auf dem Programm standen damals u.a. die Ouvertüre zum Singspiel „Der Schauspieldirektor“, „Eine kleine Nachtmusik“, ein Klavierkonzert in A-Dur mit der Solistin Gerda Gassner und die Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“.

Am 18. Dezember 1942 fand ein Konzert mit Verstärkung durch Mitglieder der Städtischen Orchester von Feldkirch und Augsburg statt, das am 12. Februar 1943 in Landeck wiederholt wurde. Auf dem Programm standen damals:
Ludwig van Beethoven: Egmont-Ouvertüre, Franz Schubert: „Unvollendete Symphonie“, Max Bruch: Violinkonzert g-moll (Solist: Josef Drevo, Konzertmeister Landestheater Innsbruck), Josef Prantl: Vorspiel zur Oper „Yara“.

Ein weiteres großes Orchesterkonzert ist für den 22. Jänner 1944 belegt, jedoch ohne erhaltenes Programm.
Das letzte dokumentierte, große Konzert (bei diesem Anlass wurde das Orchester als „Wehrmachtsorchester“ bezeichnet, da sich in der Besetzungsliste neben den Bludenzer Stammspielern dieser Zeit auch sehr viele Soldaten finden, die jeweils mit Dienstgrad und Familienname angegeben sind) findet am 28. Juli 1944 mit folgendem Programm statt: Johann Strauß: Ouvertüre zu „Die Fledermaus“, Edvard Grieg: „Peer Gynt Suite“ Nr. 1, Josef Prantl: Chor der Abenteurer und Intermezzo aus „Yara“, Johannes Brahms: Ungarische Tänze Nr. 5 und 6, Pablo de Sarasate: Zigeunerweisen (Violinsolist: Funker Mertl), Franz Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr. 2.


Prantl und Rubey - 1945-1955 

Gleich nach dem Krieg trat Prantl wiederum mit dem Ansuchen an die Stadt heran (6. Oktober 1945), ein Konzert veranstalten zu dürfen. Er legte auch einen Programmentwurf und einen genauen Kostenplan vor.

Schon zuvor hatte Prantl bei der Stadt angesucht, ein Orchester mit dem schon im Krieg verwendeten Namen „Städtisches Orchester Bludenz“ zu bilden, was ihm der Stadtrat auch genehmigte. Als Proberaum wurde der Schützenhaussaal kostenfrei zur Verfügung gestellt, in dem damals auch die Harmoniemusik probte.
Das Konzert fand am 15. November 1945 im Saal des „Österreichischen Hofes“ statt. Es wirkten der Kirchenchor (Leitung: Willi Paffendorf) und Musiker des Rundfunkorchesters Dornbirn mit. Auf dem Programm standen damals das „Halleluja“ aus Händels „Messias“, die „Unvollendete“-Sinfonie von Schubert, 2 Chöre a capella von Schubert und Mendelssohn, sowie eine „Symphonische Ballett-Suite“ und das Vorspiel zur Oper „Yara“ von Josef Prantl. Eingeladen zum Konzert waren auch zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, vor allem der französischen Besatzung.

Danach gab es 1946 und 1947 keine weiteren Konzerte des Städtischen Orchesters. Hans Rubey, der seit 1932 Chorregent in Bludenz war, wurde 1946 zum Musikdirektor bestellt. Die Anstellung Rubeys soll durch eine Kampagne gegen Prantl zustande gekommen sein, in der Prantl als Nazikolaborateur dargestellt wurde, obwohl die Widerstandsbewegung Prantls Leben gleich nach dem Krieg untersucht hatte und ihm eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt hatte. In diesen Konflikt schaltete sich sogar Bischof Rusch aus Innsbruck ein, der die Vorwürfe ebenfalls zurückwies. Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass Rubey Musikdirektor war und Prantl vorläufig ohne Anstellung blieb.
Da es in den Jahren 1946 und 1947 keine Räumlichkeiten in Bludenz für den Musikschulbetrieb gab, ruhte die Anstellung Rubeys vorläufig. Erst mit 1. Februar 1948 nahm das Orchester seine Tätigkeit mit Rubey wieder auf.
Doch schon Anfang November 1947 kam es zu einem Eklat zwischen Prantl und Bgm. Dietrich, auf den Bgm. Dietrich ungewohnt scharf reagierte. Bgm. Dietrich verfasste ein Schreiben, das in ungewöhnlicher Weise in Kopie an alle Orchestermitglieder verschickt wurde: „[…] Ich habe in Erfahrung gebracht, daß eine Äußerung des Musiklehrers Josef Prantl dahin geführt hat, daß in der Bevölkerung die Meinung vertreten ist, daß Herr Prantl nun Leiter des städtischen Orchesters sei. Zu Ihrer Aufklärung muß ich feststellen, daß dieses nicht der Fall ist und daß nach wie vor Herr Hans Rubey städtischer Musikdirektor ist.“ Man sei bestrebt ein Probelokal für das Städtische Orchester zu finden.
An Orchestermitgliedern wurden hier genannt: Grete Munz, Schlossplatz (Violine), Gerda Leib, Sturnengasse 6 (Klavier und Violine), [Emmerich?] Ganahl, Rathausgasse [Violine], August Zech, Walserweg, Roman Oberbacher, Klarenbrunnstraße, Josef Fröwies, Klarenbrunnstraße 118 (Klarinette), Ferdinand Paterno, Riedstraße, Ferdinanda Reutterer, Kapuzinerstraße (Violine), Franz Karl Türtscher, Südtiroler Siedlung (Violine), Heinrich Sprenger jun., Zürcherstraße, Ida v. Siegl, Bahnhofstraße 6 (Violine), Franz Matzer, Südtiroler Siedlung, Sackgasse 11, Robert Frank, Werdenbergerstraße 43, Konrad Oberbauer, Herrengasse, Julie Lorünser, Fohrenburgstraße, Resi Mayer, Walserweg 32 (Violine), Max Thurnes, Sägeweg 2, Erich Sommerfeld, Herrengasse 21, August Spagolla (Kontrabass), Hermann Sanderstraße 14, Rudolf Nuderscher, Pulverturmstraße 10 (Klarinette), Theodor Ganahl, Rathausgasse 4, Anton Dworschak, Untersteinstraße 36 (Horn), Herr Edenstrasser, Kasernplatz 1, Konrad Oberbauer jun. (Horn), Herrengasse.

In dieser Zeit – vielleicht auf den oben erwähnten Vorfall hin - kam es zu einer Abspaltung einer „Orchestervereinigung“, über deren Tätigkeit aber bislang nicht sehr viel bekannt ist. Leiter war Josef Prantl, Obmann [Roman?] Oberbacher. Aufgeführt wurde jedenfalls Prantls Operette „Die Zwillinge“. Eine Wiederholung in Schruns wurde allerdings auf eine etwas dubiose Weise vom Land Vorarlberg kurzfristig nicht genehmigt.

Am 25. April 1948 fand dann das erste Konzert des Städtischen Orchesters unter der Leitung Rubeys statt. Obmann des Städtischen Orchesters war Norbert Khüny.
Im Herbst 1948 verständigten sich der aus Bludenz stammende Landesrat Andreas Sprenger (zuvor Kulturreferent in Bludenz) und Bgm. Dietrich darauf, „die beiden konkurrierenden Orchester“ zu „fusionieren“. Im Frühjahr 1949 fanden dann nach einigen Verschiebungen endlich zwei Gespräche statt, zu denen auch Musikdirektor Briem aus Feldkirch hinzugezogen wurde. Als Lösung sollten Rubey und Prantl abwechselnd dirigieren.
Um Prantl, der in einer finanziell sehr schwierigen Lage war, zu helfen, wurde ihm eine Anstellung als Klavierlehrer an der Musikschule angeboten, die er auch annahm. Sein Gesundheitszustand war ziemlich labil. Schon im November 1951 starb Prantl nach einem heftigen Herzasthmaanfall.

Nach Berichten von Zeitzeugen gab es in den frühen 50er Jahren im Deutschen Vereinshaus Stummfilmaufführungen, bei denen live Musik von Mitgliedern des Städtischen Orchesters gespielt wurde: Gerda Leib am Klavier, Ida v. Siegl und Franz Karl Türtscher Violine und möglicherweise (da ist die Erinnerung nicht mehr ganz sicher) Hans Rubey Cello. Im Archiv der Musikschule gibt es tatsächlich Noten von Griegs Peer Gynt Suite mit dem Stempel „Invaliden Kino Bludenz“, die auf diese Besetzung passen würden.

Um 1950 übernahm der Gymnasialprofessor Hubert Castek die Funktion als Orchestervorstand von Norbert Khüny. Es folgten zahlreiche Konzerte (allein 1953 vier Konzerte) unter der Leitung Rubeys, die meist im Stadtsaal stattfanden und nach Aussagen von Zeitzeugen zu den kulturellen Höhepunkten in Bludenz zählten und meist ausverkauft waren. Die Bläser und manche Aushilfen bei den Streichern kamen vom Rundfunkorchester in Dornbirn. Manchmal musste wegen dortiger Dienstverpflichtungen ein Konzerttermin verschoben werden. Bludenzer Betriebe und die Arbeiterkammer nahmen oft ein Kartenkontingent ab, das sie verbilligt an ihre Mitarbeiter/Mitglieder weitergaben.
Zeitzeugen zufolge sei Rubey als Dirigent von den Leuten vom Rundfunkorchester nie ganz ernst genommen worden. Rubey habe sich überhaupt mit vielen zerstritten und es sei im Orchester in den 50er Jahren ein Stillstand in der Entwicklung eingetreten.

Orchesterintern gab es immer wieder gesellschaftliche Veranstaltungen, die in der damaligen Musikschule in der Rathausgasse 12 im Proberaum stattfanden: Nikolausfeiern, Faschingsfeiern, etc., oft mit Tanz. Dabei soll Prof. Hubert Castek immer ein glänzender Unterhalter gewesen sein, mit dem man auch oft nach den Proben noch einen Kaffee trinken gegangen sei.

Bei einem Ansuchen um Landessubvention 1955 wurde die Zahl der aktiven Mitglieder mit 30 angegeben, Poben habe es ca. 90 im Jahr, sowie 5 Aufführungen und 20 bis 25 Mitwirkungen gegeben.
1955 gab es Überlegungen, das Städtische Orchester in einen Orchesterverein umzuwandeln, was aber nach einigen Diskussionen vom Kulturausschuss der Stadt abgelehnt wurde.


Ära Clemens Mihatsch - 1955-1968

Mit dem Abgang Rubeys nach Lienz und Amtsantritt von Clemens Mihatsch im Herbst 1955 begann eine neue Ära an der Musikschule und im Städtischen Orchester. Die Zeit unter Mihatsch sei – lt. Zeitzeuginnen - die schönste gewesen, denn er habe das Gesellschaftliche im Orchester sehr gefördert. Man habe mit ihm persönlich ein sehr gutes Verhältnis gehabt und auch unter einander sei die Stimmung sehr gut gewesen.

Aus den erhaltenen Unterlagen ist ersichtlich, wie fleißig Mihatsch arbeitete, immer wieder Konzerttermine verschieben musste, weil Sänger nicht aus anderen Engagements heraus kommen konnten, Programme ändern musste, da Noten nicht aufzutreiben waren, bzw. es Probleme um Aufführungsrechte gab, mit Agenturen, Sängern, Solisten, Substituten, Intendanten (z.B. Landestheater Innsbruck) korrespondierte und kaum eine Mühe scheute, um in Bludenz anspruchsvolle Konzerte bieten zu können.
Dabei überrascht die oft kurze Zeitspanne zwischen zwei Konzerten (oft nicht einmal 2 Monate!).

Im Jahr 1956 wurden etwa folgende Programme aufgeführt:
26. Jänner 1956 „Mozart Festkonzert“ am Vorabend des 200. Geburtstages Mozarts
7. März 1956 „Große Zeitgenossen Mozarts“
5. Mai 1956 „Johann Strauß Festkonzert“ mit Marianne Dietrich als Solistin. Die aus der Klarenbrunnstraße stammende Sängerin war damals am Stadttheater St. Gallen engagiert.
Im Juli 1958 macht das Orchester einen von Dir. Mihatsch organisierten Ausflug nach Verona, wo man die Oper „Turandot“ in der Arena miterlebte. Mihatsch hatte von Bludenz aus alles perfekt organisiert.
Zeitzeuginnen erinnern sich an weitere Reisen nach Meersburg, nach Salzburg und Hallein, auf die Zugspitze, sowie nach Zürich und an den Zürichsee.
Unter den zahlreichen Konzerten, die eigentlich immer unter einem Motto standen, ragen u.a. hervor:
November 1959 „Barocke Musik“ anlässlich des 200. Todestages von G.F. Händel, bei dem wiederum der Kirchenchor Bludenz, sowie ein kleiner Chor des Bundesrealgymnasiums Bludenz mitwirkte (Mihatsch unterrichtete ja auch am Gymnasium in Bludenz und leitete den dortigen Chor). Auf dem Programm standen u.a. Teile aus Händels „Messias“.
Im November 1960 gab es wieder ein großes Chor-Orchester-Konzert u.a. mit Pergolesis „Stabat mater“ mit den Solistinnen Annemarie Heller und Margarethe Falzari und deren „Falzari-Chor“, im Dezember 1960 dann ein Konzert in Feldkirch mit Debussys „Petite Suite“, sowie Mozarts d-moll-Klavierkonzert mit dem Solisten Josef Gstach, sowie der „Haffner“-Sinfonie.
Im Dezember 1961 wurde das neuerrichtete Gymnasium eingeweiht. Aus diesem Anlass gab es am 11. November 1961 ein Festkonzert mit Verstärkung von Musikern des Vorarlberger Rundfunkorchesters im Großen Stadtsaal, bei dem die Ouvertüre zu „Oberon“ von Carl Maria von Weber, das g-moll-Violinkonzert von Max Bruch mit dem Solisten Peter Halmi und die 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven aufgeführt wurden.
Ein geplantes Benefizkonzert mit Willy Boskovsky, prominenter Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, musste wegen Terminschwierigkeiten mehrfach verschoben werden und kam schlussendlich leider nicht zustande.

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Gegen Ende der 50er Jahre, Anfang 60er Jahre schrumpfte das Städtische Orchester zusehends.
Im Februar 1963 erlitt Mihatsch eine Gehirnblutung, durch die er längere Zeit im Krankenstand war, und von der er sich nie mehr vollständig erholte. Herbert Baumgartner, der mehrmals mit dem Orchester als Flötensolist auftrat und sonst Kontrabass spielte, schildert Mihatsch als einen sehr gütigen Menschen, der aber zu dieser Zeit nicht mehr die Energie für genaues Proben und engagiertes Arbeiten gehabt habe. Die Auflösung des Vorarlberger Rundfunkorchesters 1958 und der damit verbundene Verlust von zahlreichen langjährigen Aushilfen ließ Mihatsch allmählich zusätzlich resignieren.

Am 21. März 1968 teilte Dir. Mihatsch Bgm. Dietrich die Entscheidung zur Auflösung des Orchesters schriftlich mit. Damit war das Ende des Städtischen Orchesters vorläufig besiegelt.


Ära Herbert Baumgartner – 1973-2001

Nach Übernahme der Musikschule durch Herbert Baumgartner im Herbst 1973 begann der neue Leiter im Jänner 1974 mit einigen wenigen Streichern die Proben- und Aufbauarbeit. Zu den damaligen Mitgliedern gehörten in der Erinnerung Herbert Baumgartners u.a. Hubert Castek, Herlinde Eichberger, Irmgard Mutter, Else Thaler, Franz Anton Türtscher.

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Im März 1975 gab es das erste öffentliche Konzert des „Städtischen Kammerorchesters“ im Stadtsaal – wie sich das Orchester damals nannte. Auf dem Programm standen u.a. kleinere Werke von Händel, Mozart, Beethoven und Paul Dessau, als Solisten wirkten Otto Vonblon (Trompete) und Rudolf Gabriel (Bassbariton) mit.
Als Glücksfall erwies sich die Anstellung von Gisela Bauer als Cellolehrerin, die aus der DDR kam und sich in Nüziders niederließ. Die Streicherlehrer der Musikschule (u.a. Eva Malin-Bergleiter, Alice Dobler, Nikolaus Pfefferkorn, Bernhard Zimmerer, Agnes Téglás, Anita Trizsi) trugen mit ihrer Arbeit in der Schule und ihrer Mitarbeit im Orchester zum Aufschwung bei. Schritt für Schritt wurden geeignete Schülerinnen und Schüler der Musikschule ins Orchester integriert und aus den 7 Spielern von 1974 entwickelte sich über die Jahre ein Klangkörper mit zeitweise ca. 40 Streichern und mehr. Mit Zähigkeit und Ausdauer wurde das Orchester ausgebaut und das Niveau angehoben.

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1980 kam es zu einer Zusammenarbeit mit der damals erst kürzlich gegründeten Musikhauptschule Thüringen, als gemeinsam zwei kleine Einakter aufgeführt wurden und damit ein Ausflug in die Welt des Musiktheaters unternommen wurde.

Oft standen die Programme des Orchesters unter einem bestimmten Motto und der Stadtsaal etablierte sich wiederum als der übliche Aufführungsort. Bläser und Schlagwerker waren in der Regel Lehrer und fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler der Schule, aber auch, wenn notwendig, Aushilfen aus Vorarlberg. 1982 wurde der Name des Orchesters von „Städtisches Kammerorchester“ wieder auf „Städtisches Orchester“ geändert, was durch die ständige Vergrößerung des Orchesters auch gerechtfertigt war.

Als Herbert Baumgartner 1982 längere Zeit im Krankenstand war, übernahm Otto Vonblon kurzzeitig das Orchester.

1989 und 1990 leitete Herbert Baumgartner dann das Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch und so übernahm für das Konzert 1990 Klaus Pfefferkorn als Dirigent das Orchester.

Als Höhepunkte des Orchesters können die Konzerte mit dem in Wien lebenden Bludenzer Pianisten Gerold Heitz, Opernkonzerte u.a. mit dem Bludenzer Tenor Herwig Pecoraro, der an der Wiener Staatsoper ein Engagement hat, und Shizue Murakami (1993) und die von der ebenfalls in Wien lebenden Bludenzerin Heilwig Pfanzelter (1992, 1995 und 2000) moderierten Konzerte angesehen werden.
Mittlerweile war das Orchester auch wieder längst im Stande größere Werke der Literatur zu spielen.

Eine Spezialität waren über viele Jahre die Konzerte für Schüler am Samstagvormittag, zu denen immer Schulklassen kamen und den Stadtsaal restlos füllten. Leider war dies mit der Einführung der 5-Tage Woche dann nicht mehr möglich, da für die berufstätigen Orchestermitglieder ein anderer Vormittagstermin nicht möglich war.

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Immer wieder traten Lehrer der Musikschule als Solisten in Erscheinung, so auch der langjährige Konzertmeister und jetzige Leiter Nikolaus Pfefferkorn, Bernhard Zimmerer (Violine), Gisela Bauer und Agnes Téglás (Cello), die Pianisten Atsuko Kawada, Christine Nolte, Michael Plangg und Markus Malin, die Gitarristen Hans-Peter Frick und Gerhard Ganahl, Emil Salzmann (Fagott), Zoltán Trizsi (Oboe), Roman Müller und Otto Vonblon (Trompete), Engelbert Burtscher (Klarinette), sowie Thomas Greiner (Flöte) u.a.

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In seinem vorletzten Konzert im Jahr 2000 erfüllte sich Herbert Baumgartner noch einen speziellen Wunsch, in dem er eine konzertante Aufführung der „Zauberflöte“ in Ausschnitten präsentierte, mit Heilwig Pfanzelter als Erzählerin, Shizue Murakami, Sopran, Michael Heim, Tenor und Robert Lucien Demèrs, Bassbariton.

Im Sommer 2001 wurde Franz Karl Türtscher, der seit 70 Jahren in diversen Orchestern in Bludenz gespielt hatte von Herbert Baumgartner herzlich verabschiedet. Gleichzeitig war das aber auch der Abschied von Herbert Baumgartner selbst, der nach 26 Jahren Aufbauarbeit sein Werk abgab und in den Ruhestand trat.

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Mit der Pensionierung von Herbert Baumgartner im Jahr 2001 übernahm Nikolaus Pfefferkorn die musikalische Leitung und Musikschuldirektor Mag. Thomas Greiner kümmert sich seither um die administrative und finanzielle Führung.


 

Quellen:
Stadtarchiv Bludenz
Archiv der Städtischen Musikschule Bludenz
Zentralarchiv Fa. Getzner, Mutter & Cie.
Prantl, Vera: Zwischen Heimat und Sehnsucht – Der Komponist Josef Anton („Pepi“) Prantl. Fachbereichsarbeit, 2004/05.
Material aus Privatbesitz

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