Museum zum Anfassen

Aktion Demenz bietet Kulturerlebnisse

Direkt vor der Haustüre der inatura Erlebnis Naturschau Dornbirn parkt ein Kleinbus,  unter Scherzen und Gekicher klettern vier betagte Damen mit Gehhilfen heraus. Zwei weitere Gäste warten bereits vor dem Eingang, gemeinsam mit Barbara Weber, der Kunstvermittlerin mit Demenz-Erfahrung.
Fünf Frauen und ein Herr sind Teil der Gruppe, die sich auf die besondere Führung durch das Museum freuen, die Einladung der Aktion Demenz in Kooperation mit Kunsthaus Bregenz, vorarlberg museum und der inatura richtet sich an Menschen mit Demenz und deren Begleitpersonen. Heute steht die inatura Erlebnis Naturschau auf dem Programm, drei Begleitpersonen des Pflegeheims Birkenwiese sorgen dafür, dass ihre Teilnehmenden wohlbehalten ankommen. Barbara Weber nimmt die Gäste in Empfang und führt sie in den ersten Stock, wo in einem Nebenraum Kaffee und Kuchen warten. „Hier war ich schon“ sagt eine der Damen, erntet aber zweifelnde Blicke. Sie war auf einer der Führungen im vorarlberg museum, die in Kooperation mit den Kulturhäusern und der Aktion Demenz angeboten werden, wird ihr versichert. „In Bregenz.“ Später, auf dem Rundgang durch die Ausstellung der inatura, ist sie sicher: „Nein, hier war ich noch nicht. Das sah anders aus!“ Das langsame Ankommen an dem neuen Ort hilft, um abzuschätzen wie viel Ausstellungsobjekte für die nächsten zwei Stunden auf dem Programm stehen sollen, und vor allem, welche Themen das Interesse der Anwesenden wecken. Bei der Sonderausstellung „Das Wunder Mensch“ winken gleich zwei von ihnen amüsiert ab. „Über Menschen und Sex? Nein, Danke! Das hatten wir selbst!“ Die Gruppe ist sich einig: Käfer sind weit interessanter.
Der Rundgang soll anregend sein, aber nicht überfordern. Also beschränkt Barbara Weber  den Weg, der Lift führt die Rollator- und Rollstuhlfahrerinnen in das richtige Stockwerk, die Käfervitrinen und Insektensammlung wirken wie ein Magnet. Die inatura ist ein Museum zum Anfassen, eine Harfe mit Saiten aus Laserstrahlen ist ebenso faszinierend wie der Ameisenbau mit lebenden Tieren. Andächtig sitzt die Gruppe vor dem bildgewaltigen Film über die Bergwelten und über Flora und Fauna Vorarlbergs.
„Schön haben wir´s in unserem Land,“ sagt eine der Seniorinnen und lächelt zufrieden. „Es ist ein Glück, hier zu leben“, bestätigt ihre Nachbarin. Ermüdungserscheinungen zeigt niemand, im Gegenteil, die Bilder, die Vitrinen, die lebendigen kleinen wie auch die lebensechten großen Tiere wecken Erinnerungen, der Fahrer der bunten Gemeinschaft entpuppt sich als glänzender Vortragender, Barbara Weber weiß Hintergründe zu berichten, die Stimmung ist fröhlich und interessiert. Die Gruppe driftet allerdings auseinander, manche sind langsamer, brauchen mehr Zeit, betrachten alles genauer. Zwei von ihnen sind unternehmungslustig und möchten nichts verpassen – am Ende finden sich alle im Eingangsbereich wieder, man tauscht sich aus, erinnert sich an das, was man gesehen hat und von früher kennt – als man noch jung war und auf die Berge ging.

Hinweis

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