Farbgewordene Befindlichkeiten

Gemälde und Zeichnungen von Michael Siegel in der Bludenzer Galerie allerArt

Die Leiterin der Galerie allerArt Bludenz, Andrea Fink, rückt auch in ihrem zweiten Programmjahr künstlerische Positionen ins Zentrum, die sich in spezieller Form mit dem menschlichen Körper auseinandersetzen. Dabei stellt die Malerei einen fixen Bestandteil dar, denn die Kuratorin ist davon überzeugt, „dass Malerei nichts an Aktualität, auch in der zeitgenössischen Kunst, verloren hat. Klassische Techniken dienen dem Ausdruck individueller aktueller Themenstellungen.“ War im vergangenen Jahr Malerei durch Arbeiten der Tiroler Künstlerin Susanne Kircher-Liner vertreten, so fällt diese Rolle gleich zum Auftakt des neuen Ausstellungsjahres dem 1955 in Münster geborenen und heute in Frankfurt lebenden und arbeitenden Künstler Michael Siegel zu, für dessen Schaffen eine stark gestische Pinselführung, eine spezielle Materialwahl und eine nach Perfektion strebende Technik bezeichnend sind.

Der Maler und Zeichner hat von 1979 bis 1984 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt (Städelschule) bei Thomas Bayrle, Johannes Schreiter, Ernst Caramelle und Bernhard Jäger studiert und anschließend an dieser renommierten Einrichtung auch 30 Jahre lang gelehrt. Er betreibt zudem eine eigene Kunstschule. Forschung und Vermittlung haben für ihn einen elementaren Stellenwert.

Für den deutschen Kunstschaffenden ist der Mensch gleichsam das Mass aller Dinge. Wobei Michael Siegel von seinem eigenen Körper ausgehend arbeitet, was sich im Format und der Leinwandgröße sowie in der Themenwahl wiederspiegelt. Michael Siegel ist gleichsam sein eigenes Modell.

Siegel arbeitet in Zyklen, im Rahmen derer groß- und kleinformatige Zeichnungen parallel zu auf Leinwand gemalten Bildern entstehen. So hat er für die Serie, die in Bludenz gezeigt wird, 27 Blätter und sieben großformatige Bilder (Öl/Acryl auf Leinwand) in einem durchgehenden Arbeitsprozess geschaffen. Den sieben großformatigen Arbeiten (50x160 cm) ist eine intensive Farbigkeit, eine Heftigkeit in der Gestik und der Abstraktion gegeben. Und zwar in einer solchen Eindringlichkeit, dass ihnen der Künstler die kleineren Blätter, deren Format (30x80 cm) exakt einer Halbierung der größeren Arbeiten entspricht, wie Ruheinseln zur Seite stellt. Bei diesen hat Siegel zu einem ganz eigenen Grau gefunden, gegen das die zum Teil heftige Farbigkeit unterliegt, zum Teil aber noch durchscheint. Das Grau übernimmt dabei eine Art Vermittlerfunktion.

Künstlerische Impulse hat sich Siegel immer wieder auch aus der Malerei der Renaissance geholt. Farbigkeit und Haltung etwa bei Raffael, Caravaggio oder El Greco. Dazu hat er sich seinen eigenen Farbkanon entwickelt, Farbakkorde gemischt und sie in Skizzenform erstellt. Kohle und Kreide verbinden die Farben, grenzen ein, modulieren Körperformen. Bei seinen Darstellungen geht es inhaltlich auch um eine künstlerische Bearbeitung von Gefühlen, Eindrücken und Zuständen. Der Farbe als Botschafterin kommt dabei eine zentrale Rolle zu. So könnte der Betrachter etwa mit der Farbe Blau Wasser und Himmel assoziieren, mit Rot Wärme, Feuer und aber auch Gefährlichkeit. Der von ihm aus den Farben Titanweiss, Ocker, Cadmiumrot und -gelb sowie Ultramarinblau entwickelte, unverkennbare Hautfarbton findet sich in jedem Bild wieder. Gleichwohl ist die Malerei Siegels verschlüsselt und geheimnisvoll.

In einem Katalogbeitrag schreibt die Kunsthistorikerin Rita Henss: „Michael Siegel malt seine Figuren meist in extremen Haltungen, hält sie fest zwischen Auflösung und Verfestigung. Die hockenden gebeugten, oft aber auch mit ausgebreiteten Armen schwebenden, auf wenige Linien reduzierten Körper sind beredte Zeugen der Gefühle und des Zustandes, in dem der Künstler jeweils sich befand.“


Michael Siegel
Galerie allerArt, Raiffeinsplatz 1, 6700 Bludenz
18.1.-3.3.2018
Eröffnung: 18.1., 20 Uhr
Mi-Sa, So u. Fe 15-18
Künstlerführung mit Kuratorin Andrea Fink: Samstag, 20.1., 18.00 Uhr
www.allerart-bludenz.at
www.facebook.com/galerieallerart


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